Grundwissen

magnesium oxid

Erfahre alles über magnesium oxid. Wissenschaftlich fundiert und verständlich erklärt.

Magnesiumoxid der Oldie mit schlechtem Ruf

In der großen Familie der Magnesiumverbindungen gibt es einen Vertreter der oft als der “Oldie” mit einem schlechten Ruf angesehen wird Magnesiumoxid

Es ist die wohl älteste und am weitesten verbreitete Form in günstigen Nahrungsergänzungsmitteln und Brausetabletten aus dem Supermarkt oder der Drogerie

Doch sein schlechter Ruf ist nicht ganz unbegründet

Was ist Magnesiumoxid?

Magnesiumoxid (MgO) ist die anorganische Verbindung von Magnesium mit Sauerstoff Es ist ein weißes Pulver das in der Natur als das Mineral Periklas vorkommt

Es hat den höchsten Anteil an elementarem Magnesium aller Verbindungen (ca. 60%) Das bedeutet eine kleine Menge Magnesiumoxid liefert auf dem Papier sehr viel Magnesium

Doch hier liegt genau das Problem Die Menge an Magnesium die auf dem Etikett steht ist nicht die Menge die auch im Körper ankommt

Das Problem der Bioverfügbarkeit

Magnesiumoxid hat eine sehr geringe Bioverfügbarkeit Das bedeutet es wird im Magen-Darm-Trakt nur sehr schlecht aufgenommen

Der Grund dafür ist seine geringe Wasserlöslichkeit Um aufgenommen zu werden muss das Magnesium-Ion (Mg2+) aus der Oxid-Verbindung herausgelöst werden Dies geschieht durch die Magensäure

Bei Menschen mit wenig Magensäure (was im Alter häufig ist) oder bei Einnahme von Säureblockern wird Magnesiumoxid praktisch gar nicht mehr aufgespalten

Studien zeigen dass die Bioverfügbarkeit von Magnesiumoxid oft nur bei etwa 4% liegt Das bedeutet von 100 mg elementarem Magnesium aus Magnesiumoxid kommen nur 4 mg tatsächlich im Blutkreislauf an Der Rest wird ungenutzt wieder ausgeschieden

Die abführende Wirkung

Der größte Teil des Magnesiumoxids verbleibt also im Darm Dort wirkt es stark osmotisch das heißt es zieht große Mengen Wasser in den Darm

Dies führt zu dem bekannten und oft unerwünschten Nebeneffekt von Magnesiumoxid einer starken abführenden Wirkung bis hin zu Durchfall und Krämpfen

Diese Wirkung ist so ausgeprägt dass Magnesiumoxid in der Medizin auch gezielt als Abführmittel (Laxans) eingesetzt wird

Gibt es sinnvolle Anwendungsgebiete?

Obwohl Magnesiumoxid zur allgemeinen Auffüllung der Magnesiumspeicher ungeeignet und unterlegen ist gibt es einige wenige Nischen in denen es eine Berechtigung haben kann

  • Chronische Verstopfung: Für Menschen die unter einer hartnäckigen Verstopfung leiden kann die abführende Wirkung von Magnesiumoxid ein Segen sein Es ist eine sanftere und sicherere Alternative zu vielen chemischen Abführmitteln
  • Sodbrennen & Reflux: Magnesiumoxid hat eine stark basische Wirkung und kann überschüssige Magensäure neutralisieren Es ist daher ein Bestandteil vieler Antazida (Mittel gegen Sodbrennen) Hier ist die Wirkung jedoch nur symptomatisch und kurzfristig

Die Illusion der Fülle

Magnesiumoxid ist wie ein prall gefüllter Heißluftballon Von außen sieht er riesig und beeindruckend aus und verspricht eine große Menge an Inhalt

Doch im Inneren befindet sich hauptsächlich heiße Luft und nur ein winziger Bruchteil an wirklich tragfähiger Substanz

Lass dich nicht von der äußeren Erscheinung täuschen Suche nach der wahren Dichte und Qualität die dein Körper wirklich aufnehmen und nutzen kann

Setze auf die intelligenten organischen Verbindungen die dem Körper das Magnesium in einer Form anbieten die er versteht und willkommen heißt

Die Rolle der Magensäure im Detail

Die Aufspaltung von Magnesiumoxid ist ein einfacher chemischer Prozess:

MgO (Magnesiumoxid) + 2 HCl (Salzsäure) → MgCl2 (Magnesiumchlorid) + H2O (Wasser)

Das entstandene Magnesiumchlorid ist wasserlöslich und kann im Dünndarm relativ gut aufgenommen werden. Das Problem ist, dass dieser Prozess eine ausreichende Menge an Magensäure (HCl) erfordert.

Viele Faktoren des modernen Lebensstils können die Produktion von Magensäure reduzieren:

  • Chronischer Stress: Der Körper schaltet in den “Kampf-oder-Flucht”-Modus und fährt die Verdauungsfunktionen, einschließlich der Säureproduktion, herunter.
  • Zunehmendes Alter: Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit des Magens, Säure zu produzieren, natürlicherweise ab (achlorhydrie oder hypochlorhydrie).
  • Medikamente: Die weit verbreitete Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPIs) wie Omeprazol oder Pantoprazol legt die Säureproduktion nahezu vollständig lahm. Die langfristige Einnahme dieser Medikamente ist ein bekannter Risikofaktor für einen schweren Magnesiummangel.

Für all diese Menschen ist die Einnahme von Magnesiumoxid besonders ineffektiv. Organische Verbindungen wie Citrat oder Glycinat benötigen keine Magensäure zur Aufspaltung und sind daher die deutlich überlegene Wahl.

Ein historischer Rückblick

Magnesiumoxid war eine der ersten Magnesiumverbindungen, die industriell in großen Mengen hergestellt und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet wurde. In den Anfängen der orthomolekularen Medizin war das Wissen über die unterschiedliche Bioverfügbarkeit der verschiedenen Formen noch nicht so weit verbreitet.

Man orientierte sich primär am reinen Mineralstoffgehalt, und hier war Magnesiumoxid auf dem Papier unschlagbar. Viele alte Studien zur Wirkung von Magnesium wurden daher mit Magnesiumoxid durchgeführt, was die Ergebnisse oft verfälscht oder abgeschwächt hat.

Heute, im Zeitalter der Chelate und der organischen Verbindungen, wissen wir es besser. Die Wissenschaft hat die entscheidende Bedeutung der Bindungsform für die Aufnahme und Wirksamkeit von Mineralstoffen erkannt.

Die fortgesetzte Verwendung von Magnesiumoxid in vielen Massenprodukten ist also eher ein Relikt aus der Vergangenheit und ein Tribut an den Preisdruck im Markt, als ein Zeichen für eine wissenschaftlich fundierte Produktentwicklung.

Magnesiumoxid meistens die falsche Wahl

Für den gesundheitsbewussten Verbraucher der seine Magnesiumspeicher effektiv und nachhaltig auffüllen möchte ist Magnesiumoxid in den allermeisten Fällen die falsche Wahl

Die geringe Bioverfügbarkeit und die starke abführende Wirkung machen es den organischen Magnesiumverbindungen wie Citrat Glycinat oder Malat deutlich unterlegen

Lass dich nicht von den hohen Milligramm-Angaben auf dem Etikett billiger Produkte blenden Entscheidend ist nicht was draufsteht sondern was drin ankommt

Investiere lieber in eine hochwertige organische Form Dein Körper wird es dir danken

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Häufige Fragen zu Magnesiumoxid

Warum wird Magnesiumoxid dann überhaupt noch verkauft?

Die Gründe sind einfach:

  1. Es ist sehr billig in der Herstellung.
  2. Es hat einen hohen Magnesiumanteil pro Gramm. Dies ermöglicht es den Herstellern mit hohen Dosierungen auf dem Etikett zu werben (“Hochdosiert”) ohne dass der Kunde die geringe Bioverfügbarkeit erkennt

Es ist also primär eine Frage des Marketings und des Preises nicht der Qualität oder Wirksamkeit

Ich nehme ein Kombipräparat, das auch Oxid enthält. Ist das schlecht?

Nicht unbedingt. Viele Hersteller mischen verschiedene Magnesiumformen um die Vorteile der einzelnen Verbindungen zu kombinieren

Wenn ein Präparat zum Beispiel eine Mischung aus Magnesiumcitrat und Magnesiumoxid enthält kann dies ein Kompromiss sein um eine hohe Dosierung zu erreichen und gleichzeitig die Bioverfügbarkeit zu verbessern

Reine organische Verbindungen sind jedoch immer vorzuziehen

Kann die Einnahme von Magnesiumoxid schädlich sein?

Bei gesunder Nierenfunktion ist die Einnahme in normalen Dosen nicht direkt schädlich Der Körper scheidet den Überschuss einfach wieder aus

Das Hauptproblem ist dass man sich in falscher Sicherheit wiegt Man denkt man sei gut mit Magnesium versorgt während in Wirklichkeit ein chronischer Mangel bestehen bleibt und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme nicht gelöst werden

Gibt es einen Unterschied zwischen “leichtem” und “schwerem” Magnesiumoxid?

Ja, diese Bezeichnungen beziehen sich auf die physikalische Dichte des Pulvers nicht auf seine chemische Zusammensetzung oder Wirkung

  • Leichtes Magnesiumoxid hat ein größeres Volumen und eine geringere Dichte
  • Schweres Magnesiumoxid wird kompakter hergestellt

Für die Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit spielt dieser Unterschied keine Rolle